2006 / Nr. 3


KINDERGARTEN GEBÜHRENFREI?

      

Allensbach am Bodensee, Mitte März 2006 - Der Uno-Sonderberichterstatter für Bildung, Muñoz, hat nach einer Inspektionsreise durch deutsche Kindergärten und Schulen u.a. kritisiert, daß Kindergärten in Deutschland kostenpflichtig sind. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat schon Anfang des Jahres den Vorschlag gemacht, daß die Kommunen, die bislang den Hauptanteil der Kindergartenkosten tragen, auch den Anteil der Eltern mit übernehmen sollten. Vorschläge zur Gebührensenkung oder -befreiung werden in der Bevölkerung gern gehört. 56 Prozent fänden es gut, wenn die Gemeinden und Städte die Kosten für die Kindergärten ganz übernehmen. Daß ein solcher Vorschlag von denen, die selber Kinder im Kindergartenalter haben, ganz besonders begrüßt wird (74 Prozent), liegt auf der Hand.

 

 

Bei einer genaueren Abwägung des Vorschlags, die Elternkosten für den Kindergarten ganz auf die Kommunen abzuwälzen, werden viele aus der Bevölkerung allerdings nachdenklich, und die Mehrheit, die für eine gänzliche Kostenbefreiung ist, wird deutlich kleiner. 46 Prozent betonen unter diesen Umständen weiterhin: Auch wenn es für die Gemeinden finanziell schwierig wird, das Geld für die Kindergärten aufzubringen: "Für die Eltern wäre die Abschaffung der Kindergartengebühren eine große Entlastung", für die die Gemeinden woanders sparen sollten.

Aber fast ebenso viele Befragte (41 Prozent) sprechen sich gegen eine Gebührenbefreiung der Eltern aus, weil sie erwarten, daß sich aufgrund der schlechten Finanzlage der Gemeinden "die Qualität der Betreuung in den Kindergärten deutlich verschlechtern würde".

 

 

Daß eine Kostenbefreiung Kosten nicht aus der Welt schafft, ist den meisten klar. Wenn die Kommunen die Kosten übernehmen, kommen diese mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende bei der Allgemeinheit, in diesem Fall bei den Bürgern der Städte und Gemeinden wieder an. Deshalb plädieren vor allem diejenigen, die keine Kinder haben, gegen die Gebührenbefreiung des Kindergartens. Junge Familien (70 Prozent) und Alleinerziehende (53 Prozent) unterstützen auch unter dem Gesichtspunkt einer Kostenabwägung weiterhin mehrheitlich den Vorschlag zur Gebührenbefreiung.

 

Kindergarten - Gebührenfrei?

FRAGE: "Zur Zeit ist es ja so, daß die Kosten für Kindergärten zu einem großen Teil von den Städten und Gemeinden und zu einem kleinen Teil von den Eltern getragen werden. Jetzt ist vorgeschlagen worden, daß zukünftig ausschließlich die Städte und Gemeinden die Kosten für die Kindergärten übernehmen und die Eltern nichts mehr zahlen müssen. Darüber unterhalten sich hier zwei. Welcher von beiden sagt eher das, was auch Sie sagen würden?" (Vorlage eines Bildblattes)
  Deutsche Bevölkerung
  Junge Paare ohne Kinder

%
Junge Familien



%
Allein-
erziehende



%
"Ich bin dafür, daß Städte und Gemeinden künftig die Kosten für Kindergärten vollständig übernehmen. Es wird zwar schwierig für sie, das Geld dafür aufzubringen, aber das sollten sie besser woanders einsparen. Für die Eltern wäre die Abschaffung der Kindergartengebühren eine große Entlastung." 38 70 53
"Ich finde, das ist kein guter Vorschlag. Die meisten Städte und Gemeinden haben so wenig Geld zur Verfügung, daß sich die Qualität der Betreuung in den Kindergärten deutlich verschlechtern würde, wenn die Städte und Gemeinden die Kosten für die Kindergärten ganz allein tragen müßten." 51 27 29
Unentschieden 11 3 18
  100 100 100
Basis: Bundesrepublik Deutschland, Bevölkerung ab 16 Jahre
Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 7086, Februar 2006

 

 
TECHNISCHE DATEN FÜR DIE REDAKTION
Anzahl der Befragten:

Repräsentanz:


Zeitraum der Befragung:

Archiv-Nummer der Umfrage:
2046

Gesamtdeutschland,
Bevölkerung ab 16 Jahre

3. bis 15. Februar 2006

7086

  


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