2007 / Nr. 11


UNFREIWILLIGE KINDERLOSIGKEIT
      

Allensbach am Bodensee, Ende Juni 2007. - In der Diskussion um die niedrige Geburtenrate in Deutschland ist das Problem unfreiwilliger Kinderlosigkeit bisher allenfalls ein Randthema. Im Rahmen einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat das INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH im Frühjahr 2007 dazu repräsentative Umfragen durchgeführt.

Dabei zeigt sich: 70 Prozent der 25- bis 59-Jährigen in Deutschland haben Kinder, 30 Prozent sind kinderlos. Fast ein Viertel dieser Altersgruppe wünscht sich zur Zeit ein Kind (22 Prozent), weitere14 Prozent haben sich früher einmal Kinder gewünscht.

Insgesamt sind es also 36 Prozent oder 12,8 Mio. Frauen und Männer dieser Altersgruppe, bei denen der Wunsch nach einem ersten oder einem weiteren Kind bisher nicht in Erfüllung ging. Nur 8 Prozent der 25- bis 59-Jährigen sind freiwillig kinderlos, d.h. sie haben keine Kinder und haben weder jetzt noch hatten sie früher den Wunsch nach Kindern.

 

 

Bei den Ursachen für unerfüllte Kinderwünsche spielt neben beruflichen und finanziellen Gründen auch das Fehlen des richtigen Partners, der richtigen Partnerin eine Rolle. Aber auch medizinische Ursachen haben eine nicht geringe Bedeutung. So nennt jeder dritte Kinderlose, der früher gerne Kinder gehabt hätte, als Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit, dass es mit dem Schwangerwerden nicht geklappt hat (34 Prozent). Insgesamt sind in Deutschland 1,4 Mio. Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren von ungewollter Kinderlosigkeit aus medizinischen Gründen betroffen.

 

 

Viele Betroffene konsultieren heute dazu einen Arzt. 82 Prozent der Frauen, die sich aktuell ein Kind wünschen und schon ein Jahr oder länger vergeblich versuchen, schwanger zu werden, haben deswegen schon Kontakt zu einem Arzt aufgenommen. Aber nur 30 Prozent dieser Gruppe haben schon Spezialisten in einem Kinderwunschzentrum oder einen Facharzt für Reproduktionsmedizin aufgesucht. Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund, warum keine reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch genommen wurde, ist die Hoffnung, es werde auch ohne medizinische Hilfe klappen (77 Prozent). Viele sehen die Reproduktionsmedizin nur als letzten Ausweg, der dann auch erst spät beschritten wird - von manchem zu spät. Denn die Abnahme der Fruchtbarkeit von Frauen mit zunehmendem Lebensalter wird massiv unterschätzt, die biologische Uhr tickt schneller als die meisten glauben: 40 Prozent der Bevölkerung schätzen oder vermuten, dass es rein biologisch gesehen erst mit etwa 40 Jahren für eine Frau schwieriger wird, schwanger zu werden, weitere 14 Prozent sind sogar der Meinung, dass das erst ab etwa 45 Jahren der Fall ist (Durchschnitt: 38,1 Jahre). Tatsächlich verringert sich die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, jedoch schon ab dem 30. Lebensjahr einer Frau.

 

 

Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter: www.berlin-institut.org

 
TECHNISCHE DATEN FÜR DIE REDAKTION
Die hier berichteten Ergebnisse stammen aus verschiedenen Repräsentativbefragungen:
  • Basis der Ergebnisse auf den Schaubildern 1 und 2: 3496 Personen zwischen 25 und 59 Jahren, Befragungszeitraum: 29. September bis 12. Dezember 2006
  • Basis der Ergebnisse auf Schaubild 3: 1810 Personen ab 16 Jahre, Befragungszeitraum: 24. Mai bis 6. Juni 2007
  • Alle übrigen Ergebnisse stützen sich auf die Befragung von 304 Frauen im Alter von 25 bis 59 Jahren, die sich ein Kind wünschen oder früher ein Kind gewünscht haben und ein Jahr oder länger vergeblich versuchen bzw. versucht haben, schwanger zu werden, Befragungszeitraum: 30. Januar bis 19. Februar 2007

  


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