2008 / Nr. 4


AUCH AUSSERHALB VON BAYERN WIRD
BAYERISCH GERN GEHÖRT

Die beliebtesten und unbeliebtesten Dialekte
      

Von allen Dialekten, die in Deutschland gesprochen werden, ist Bayerisch am beliebtesten. 35 Prozent der Bevölkerung bekennen in einer aktuellen Allensbacher Umfrage, dass sie die bajuwarische Mundart besonders gerne hören. 29 Prozent der Deutschen mögen das norddeutsche Plattdeutsch, mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) hört Berlinerisch sehr gern.

Vielleicht hat das Besondere am bayerischen Dialekt u.a. auch mit dem sprachlichen Selbstbewusstsein der Bayern zu tun. Denn es gibt in Deutschland keine andere Region, die im gleichen Maße in die eigene Mundart verliebt ist. 77 Prozent der Bayern betonen, dass sie ihr Bayerisch besonders mögen. In Norddeutschland sagen das immerhin ebenfalls 65 Prozent vom norddeutschen Platt. Aber nur 46 Prozent der Berliner sagen das vom Berliner Dialekt.

 

 

Es gibt aber nicht nur Dialekte, die man gerne hört und liebt, sondern auch Dialekte, die man überhaupt nicht mag. Auf der Hitliste der Mundarten, die in Deutschland am meisten Aversionen auslösen, steht das Sächsische ganz oben. 54 Prozent der Bevölkerung sagen, dass sie Sächsisch nicht mögen. Mit großem Abstand an zweiter Stelle der unbeliebten Dialekte stehen für 21 Prozent das ansonsten so beliebte Bayerisch und das Berlinerisch. 17 Prozent der Deutschen hören Schwäbisch überhaupt nicht gern. Nicht besonders beliebt, aber am wenigsten nervig empfindet man offenbar das Westfälische. Nur 2 Prozent nehmen daran Anstoß.

 

 

73 Prozent der Bevölkerung sprechen die Mundart der Region, in der sie leben - 48 Prozent gut und 25 Prozent zumindest "ein wenig".

26 Prozent der Deutschen sprechen "eigentlich immer" Dialekt. Gut jeder Fünfte (rund 21 Prozent) spricht am ehesten in der Familie und im Freundeskreis Dialekt. Am Arbeitsplatz allerdings gehört Dialekt - zusätzlich zu jenen, die "eigentlich immer" Dialekt sprechen - für 4 Prozent zur normalen Umgangssprache. Nur 13 Prozent der Bevölkerung sprechen "niemals" Dialekt.

 

 

Zur Zeit der alten Bundesrepublik gab es ein Süd-Nord-Gefälle für Mundart als Umgangssprache. In Bayern war Bayerisch für viele in allen Alltagssituationen selbstverständlich, in Norddeutschland dagegen war das Norddeutsche Platt längst nicht mit dieser Selbstverständlichkeit im Alltag präsent. Inzwischen wird das Süd-Nord-Dialektgefälle noch durch ein Ost-West-Gefälle ergänzt. "Ich spreche eigentlich immer Dialekt", betonen die Bayern zur Zeit zu 45 Prozent, die Thüringer und Sachsen zu 37 Prozent. In Norddeutschland und in Nordrhein-Westfalen sagt das jedoch jeweils nur jeder Zehnte (10 Prozent).

 

 

Insgesamt zeigt sich: Die Dialekte sind auch heute weiterhin lebendig. Sie werden gesprochen, sie werden verstanden, und manche Dialekte werden - oft weit über regionale Grenzen hinaus - geliebt. Ein Zeitvergleich über 17 Jahre hinweg zeigt allerdings auch eine langsame Erosion des Dialektsprechens - besonders in Ostdeutschland. 1991, also kurz nach der Öffnung der DDR und der Wiedervereinigung betonten noch 41 Prozent der Ostdeutschen: "Ich spreche eigentlich immer Dialekt". Das sagen heute nur noch 33 Prozent. In Westdeutschland war zu Beginn der 90er Jahre für 28 Prozent Dialekt die normale Umgangssprache, inzwischen sprechen im Westen insgesamt nur noch 24 Prozent "eigentlich immer" Dialekt.

 

 

Allensbach am Bodensee – Mitte März 2008

 

TECHNISCHE DATEN FÜR DIE REDAKTION
Anzahl der Befragten:

Repräsentanz:


Zeitraum der Befragung:

Archiv-Nummer der Umfrage:
1814

Gesamtdeutschland,
Bevölkerung ab 16 Jahre

1. bis 13. Februar 2008

10016

  


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