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2009 / Nr. 7
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| Der Wunsch nach Einigkeit, der in der Nationalhymne der Deutschen besungen wird, der Wunsch nach Einheit, der die Wiedervereinigung ermöglicht hat, besagen nicht, dass es zwischen den Menschen in West und Ost nicht zugleich auch große Unterschiede geben würde. Im Gegenteil. Die Nachkriegsgeschichte hat über ein halbes Jahrhundert dafür gesorgt, dass man sich hier und dort unter sehr verschiedenen Bedingungen einrichten und entwickeln konnte oder musste. Wenn man heute die Bevölkerung nach Unterschieden oder Gemeinsamkeiten der Deutschen in Ost- und Westdeutschland befragt, werden sowohl im Westen als auch im Osten vor allem die Unterschiede betont. 42 Prozent der Westdeutschen sagen: "Die Unterschiede überwiegen". Nur 20 Prozent sehen überwiegend Gemeinsamkeiten. Die Bevölkerung in Ostdeutschland akzentuiert die Unterschiede zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen noch krasser. Nur jeder Zehnte (11 Prozent) in Ostdeutschland sieht überwiegend Gemeinsamkeiten. 63 Prozent sehen vorwiegend das, was West- und Ostdeutsche voneinander unterscheidet.
Das Empfinden von Verschiedenheit war kurz nach der Wiedervereinigung noch stärker. 1992 sahen 52 Prozent der Westdeutschen vor allem die Unterschiede zwischen sich und den damals neuen Bundesbürgern westlich der Elbe. In der Gegenrichtung von Ost nach West geschaut, fielen damals sogar 70 Prozent in erster Linie die Unterschiede ins Auge. In den darauffolgenden Jahren schien es jedoch so, als würden die Unterschiede in der gegenseitigen Wahrnehmung mit der Zeit immer weniger. Dass die Unterschiede zwischen den beiden Bevölkerungsteilen überwiegen, glaubten 2004 nur noch 38 Prozent im Westen und 43 Prozent im Osten. Erst in den letzten Jahren hat sich die Schere zwischen West und Ost in der subjektiven Wahrnehmung von Unterschieden wieder auseinanderentwickelt.
Die große Mehrheit der Westdeutschen sieht aber inzwischen wenig Sinn darin, dass zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschen noch besonders herausgestellt werden oder wenn auf den Unterschieden "herumgeritten" wird. "Natürlich gibt es da auch Probleme, aber alles in allem ist es doch gut so, wie es jetzt ist", sagen 66 Prozent. In Ostdeutschland sehen dies allerdings nur 47 Prozent so. Fast ebenso viele in Ostdeutschland (42 Prozent) fänden es besser, wenn die Probleme, also die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen nicht unter den Teppich gekehrt würden.
Allensbach am Bodensee, Mitte Mai 2009
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